Offenes Lernen

Als katholische Privatschule wollen wir auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren. Der Pluralismus der Meinungen, Überzeugungen und Lebensstile in unserer Gesellschaft erschwert den Heranwachsenden die geistig-seelische Reifung. Hinzu kommt die Überbetonung des Intellekts, die Förderung des Konsums und die Verarmung des Emotionalen und der menschlichen Beziehungen. Erziehen und Unterrichten sind von den Fragestellungen  und Bedingungen unserer modernen Lebenswelt mitbestimmt. Gerade die Vielschichtigkeit unserer gegenwärtigen Situation enthält aber auch neue Chancen für Erziehung und Bildung.

So haben wir uns entschlossen, als Grundlage für unseren Unterricht Anregungen aus dem sogenannten Marchtaler Plan zu verwenden. Als Erziehungs- und Bildungsplan zielt er auf: 

  • eine Erziehung, die die ganzheitliche harmonische Entfaltung und Förderung der körperlichen und geistigen Anlagen der menschlichen Person anstrebt;
  • eine Erziehung, die besonders die Entfaltung der sozialen Anlagen fördert;
  • eine Erziehung, die soziales Engagement, sowie Übernahme von sozialer Verantwortung in der menschlichen Gesellschaft anstrebt.


Warum wir uns für die Freiarbeit entschieden haben:

Freies Arbeiten fördert höhere Motivation und in stärkerem Maß selbst verantwortetes Lernen als der herkömmliche Klassenunterricht. Durch selbständiges, frei gewähltes Abwechseln von Arbeitstechnik, Arbeitsinhalt, Arbeitsform, etc. wird „spielend“ erreicht, dass mehr Kinder über einen längeren Zeitraum hin konzentriert bei der Sache bleiben als in vielen Stunden, in denen im Klassenverband gearbeitet wird.

Notwendigkeit einer Veränderung des herkömmlichen Unterrichts:

Die Veränderung der Lebensbedingungen in unserer Leistungsgesellschaft stellten uns LehrerInnen vor die Aufgabe, unseren Unterricht neu zu gestalten. Dies war uns durch Einführung der Freiarbeit möglich. Die Freiarbeit wendet sich gegen einen ausschließlich lehrerzentrierten Unterricht – die Lehrerin/der Lehrer hat nur beratende und nach Bedarf helfende Funktion.

Die Freiarbeit stärkt die Fähigkeit des individuellen Lernens, denn die Schülerinnen bestimmen selbst ihr Arbeitstempo, die Zahl der Wiederholungen und die Anzahl der Pausen. Sie wird den unterschiedlichen Lerntypen durch den Einsatz von abwechslungsreichen Lernspielen und Arbeitsmaterialien, die unterschiedliche Sinne ansprechen und einen gewissen Grad an Selbständigkeit verlangen, gerecht. Durch den Einsatz von verschiedenen Sozialformen beim Lernen wird besonders auch die von der Wirtschaft so sehr gewünschte Teamarbeit gefördert. Deshalb sind offene Lernformen im "Lehrplan 2000" ausdrücklich vorgesehen.

Erfahrungen mit der Freiarbeit:

Bereits im ersten Jahr des Arbeitens mit der Freiarbeit zeigten sich Erfolge. Die Schülerinnen wurden selbständiger, sie gingen sorgfältig mit  Arbeitsmaterialien um, lernten ein genaueres Lesen von Arbeitsanweisungen und Texten und wurden fähig, im Team zu arbeiten. Nicht zu übersehen war und ist die Begeisterung der Schülerinnen für diese Arbeitsform. Ein wichtiger Erfolg der Freiarbeit zeigt sich aber vor allem im sozialen Bereich in einer deutlichen Verbesserung der Klassengemeinschaft und der Hilfsbereitschaft.

Für die Lehrpersonen bedeutet diese neue Unterrichtsform eine gravierende Umstellung in der Denkweise, verbunden mit einem erheblich höheren Aufwand an Zeit für Planung, Organisation und Herstellung der neu zu erstellenden Materialien.

Die positiven Erfahrungen anderer Schulen in Österreich (Private HS der Ursulinen Graz, Private HS Dobl, HS Liefering, HS Bürs, HS Langkampfen) bestärken uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und diese Unterrichtsform für unsere Schule weiterzuentwickeln.